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Kath.Klinikpfarrei Hl.Geist
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Pater Norbert Riebartsch
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Klinikpfarrei Heilig Geist
Hugstetter Str. 55
D-79106 Freiburg
Tel +49/761 270 6006
Fax +49/761 270 6007
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www.doncamillo.de
Konzerte
Begleitworte
Herzlich willkommen zum Abschied von unserer Orgel in der Klinikkirche.
Mein besonderer Gruß gilt den 2 Organistinnen und den 4 Organisten, die im Lauf der Jahre immer wieder auf unserer Orgel gespielt haben und nun helfen, sie zu verabschieden.
Um den Organisten die Zeit zu geben, die benötigten Register zu ziehen, werden wir jeweils als Übergang einen Gedankenanstoß hören.
Die meisten kennen unsere Orgel aus den Besuchen im Gottesdienst. Dazu wurde sie 1954 von der Firma Dold gebaut und in der Klinikkirche aufgebaut.
Sr. Miriam Hörlesberger meditiert dazu:
Musik entsteht durch viele Töne, hohe und tiefe, schnelle und langsame Tempi. Keine Kunstform ist der Seele so nah wie die Musik. Im Miteinandersingen bilden wir eine harmonische Einheit, aufeinander abgestimmt. Eine Melodie trägt uns und rührt uns an. Ignatius von Antiochien ermuntert: „Nehmt Gottes Melodie in euch auf!“
Er führt den musikalischen Vergleich noch weiter: für ihn ist die Gemeinde ein Chor, in dem die einzelnen Stimmen und Melodien zusammenfinden und –klingen sollen. „So werdet ihr alle zu einem Chor, und in eurer Eintracht und zusammenklingenden Liebe ertönt durch euch das Lied Christi.“
Christliche Berufung entfaltet sich nicht als solistischer Auftritt. Erst im Miteinander der Stimmen und Melodien wird Jesus Christus lebendig. Nur im Zusammenklang kann die persönliche Lebensmelodie ihren charakteristischen Klang entwickeln. Dort erst kommen die Höhen und Tiefen, die „Pianos und Fortissimos“ zur Geltung und erfüllen ihren Sinn. So kann uns Gott durch die Musik miteinander in eine Beziehung bringen, berühren und verändern. In einem Chor singen, in ein Konzert gehen, einen Chor leiten oder mit einem Ensemble musizieren wird zu einer lebendigen, sprudelnden „Quelle“ für eine Welt, in der Menschen Einheit und Liebe leben.
Welch ein „Himmelsklang“ in unserer Welt, wenn viele ihre Lebensmelodie entdecken und spielen.
Nutzen wir die Orgel daher zum Ensemble unserer Stimmen und lassen uns begleiten zum gemeinsamen Loblied:
Gemeindegesang: GL 014
Wie können wir die Orgel sinnvoll verabschieden? Die Frage hat uns lange beschäftigt. Die Idee wurde dann geboren: Wir bitten die Organisten, die auch unseren Alltag kennen, uns mit Orgelmusik zu beschenken, die sie selbst mögen.
Die erste Organistin wird Frau Martina Petzold sein. Sie ist vom Geburtsdatum und von der Erfahrung mit dieser Orgel die Jüngste im Bund. Im Hauptberuf ist sie Studentin und bei uns eine der drei Regelorganistinnen des Sonntags.
Sie hat sich für das Präludium und Fuge in G Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy entschieden.
Zum 200. Geburtsjahr dieses Komponisten ist einiges geschrieben worden. Nehmen wir für unseren Moment vor allem auf, was in einer Überschrift stand:
Ein Organist, der den Glauben ins Instrument übertrug. Vor seiner Komposition kann passen, was Armin Kircher, Leiter des Kirchenmusikreferats in Salzburg einmal schrieb:
Die Patronin der Kirchenmusik
Am 22. November wird der Gedenktag der heiligen Cäcilia, einer frühchristlichen römischen Jungfrau und Märtyrerin aus der Zeit der Christenverfolgung, begangen. Nachdem man vergeblich versuchte, sie im häuslichen Dampfbad zu ersticken, wurde sie gemeinsam mit ihrem Verlobten und dessen Bruder enthauptet. Bereits seit dem Jahr 545 wird in Rom ihr Gedächtnis begangen.
Weil in der legendenhaften Beschreibung ihres Lebens vom Spiel der Orgel bei den Vorbereitungen zu ihrer Hochzeit die Rede ist, wurde die Hl. Cäcilia eher zufällig zur Patronin der Kirchenmusik, der Instrumente und der Instrumentenbauer, der Musikerinnen und Musiker. Von Malern und Bildhauern wird sie meistens mit einer kleinen Orgel dargestellt. Cäcilia hat die Melodie Gottes ganz in sich aufgenommen und ihr Leben danach ausgerichtet. Sie ist so ein Vorbild für alle, die mit Musik zum Lob Gottes beitragen und ein klangvolles Bekenntnis ihres Glaubens ablegen.
Vielerorts wird das Fest der Hl. Cäcilia zum Anlass genommen, den ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen für ihren kirchenmusikalischen Dienst zu danken. Mit den Probezeiten sind es viele Stunden, die Chorleiter/innen, Organist/innen und Sänger/innen für die musikalische Gestaltung des Kirchenjahres aufbringen. Groß ist die Wertschätzung, mit der die Kirche den Künstlern begegnet. Sie bauen mit ihren Talenten Brücken in Gottes Herrlichkeit. Papst Paul VI. unterstrich dies in einem eindrucksvollen Vergleich: „Die Kirche braucht Heilige, aber sie braucht auch Künstler: die einen und die anderen sind Zeugen des lebendigen Geistes Gottes“.
Ebenfalls von Mendelssohn Bartholdy ist das Allegro aus de Sonate II, das uns Michele Savino spielen wird. Herr Savino war als Vorgänger von Frau Petzold zwischen April 2007 und Oktober letzten Jahres im Dienst bei uns. Nun hat er eine volle Stelle als Kirchenmusiker in den Gemeinden in Emmendingen.
Vor der Sonate wird Herr Savino uns einen Ausschnitt aus der „Stunde der Weihe“ von Marco Enrico Bossi spielen.
Geschichtlich ist zur Orgel folgendes zu sagen:
Die Orgel wird die Königin der Instrumente genannt.
Sie war nicht von Anfang an als Instrument zum Gotteslob bestimmt. Erfunden wurde sie von einem Mechaniker namens Ktesibios von Alexandria im 3. Jahrhundert vor Christus, damals noch als Wasserorgel (Hydraulis genannt). Von Griechenland ausgehend ist die Hydraulis zu einem verbreiteten Instrument im römischen Reich geworden. Bei musikalischen Wettkämpfen, in den Arenen der Gladiatoren, im Zirkus, Theater und bei Tafelmusikdarbietungen fand sie ihren Einsatz. Seit dem 8. Jahrhundert hat die Orgel, bis dahin weltliches (heidnisches) Instrument, Einlass in die abendländische Kirchenmusik gefunden, nachdem der Pippin der Jüngere, König der Franken, um 757 vom byzantinischen Herrscher Konstantin eine Orgel als Geschenk erhalten hatte.
Für den Gotteshausbesucher stellt sie oft ein Gegenüber zum Hochaltar dar, ein schmuckvoller Teil der Kirche, im Idealfall harmonisch eingefügt in ein Ganzes, nicht bloß Inventar. Für den Gottesdienstbesucher ist sie Stütze beim Gesang, Unterstützung beim Gotteslob. Das macht sie wohl in erster Linie zur Königin der Instrumente – ihr Einsatz an einem besonderen Ort. Jedes Instrument ist einmalig, gebaut für den Raum und in seinen Klangfarben abgestimmt auf den Raum, wo es zum Einsatz kommt.
Als Organist sollte man mehr sein als nur Bediener von Registern und Tasten. So vermag man der ab und zu etwas starr anmutenden Königin eine „Seele einzuhauchen“ und das gesungene Gotteslob der Gemeinde durch differenziertes Orgelspiel zu stärken.
Der Dienstälteste unter den Organisten ist Dr. Winfried Ebner, Arzt im Zentrum für Hygiene und einer unserer Pfarrgemeinderäte. Schon im Februar 1981 begann er als Student seinen Dienst bei uns. War doch sein Vater als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in unserer Pfarrei sozusagen sein Türöffner. Seitdem hat Herr Ebner uns eigentlich immer begleitet. Er gar sich für das Air aus den Two Pieces von Samuel Wesley entschieden.
Als jemand, der mit der Orgel am meisten vertraut ist, möchte er sie nun vorstellen und selber sagen, was ihm dieser Abschied bedeutet.
Aus dem Gutachten des erzbischöflichen Orgelinspektors vom November 2007:
Die Orgel wurde 1954 von Willy Dold, Freiburg, gebaut. Beim Bau der Orgel kamen
vermutlich auch ältere Orgelteile zur Verwendung. Sie hat auf zwei Manualen und Pedal 22 Register, 3 Transmissionen und eine Windabschwächung.
Das Gehäuse besteht aus Weichholzrahmen Der freistehende Spieltisch ist neben der Orgel auf der Empore platziert. Die statischen Aufgaben in der Orgel übernimmt ein Holzgerüst.
Das Werk wird durch ein Schleudergebläse im Unterbau der Orgel mit Wind versorgt. Die Orgel hat elektropneumatische Taschenladen. Die Registerbetätigung erfolgt elektropneumatisch. Die Koppeln sind elektrisch.
Die Technik ist ziemlich verbraucht und arbeitet derzeit nicht störungsfrei. Schimmelpilz war nicht feststellbar.
Die Traktur arbeitet mit erheblicher Verzögerung. Spiel von schnellen Noten erfordert vom Spieler einige Konzentration. In der Basslage sprechen die Register nur mit erheblicher Verzögerung an. Einzelne Register schalten – wenn überhaupt – nur verzögert ein.
Das Hauptproblem der Orgel ist die unorganische Konstruktion und die verwendeten Materialien. Beim Bau der Orgel haben offenbar logischer innerer Aufbau, Klangabstrahlung, künftige Orgelpflege, Erreichbarkeit der Technik und des Pfeifenwerks nur eine unwesentliche Rolle gespielt.
Beim Bau der Orgel wurden von einem Zulieferbetrieb eingekaufte Orgelteile ohne größere zeichnerische Vorbereitung zusammengeschraubt und verkabelt.
Die erschwerte Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten ist ein weiteres Problem der Orgel. Der Aufenthalt auf dem Stimmgang der Oberlade des I. Manuals ist lebensgefährlich.
Die Klanggebung der Orgel folgt den ästhetischen Vorstellungen der 1950er Jahre: Der Klang der Prinzipale ist verhältnismäßig grob, die Flöten zu wenig tragfähig und kaum charakteristisch. Die Aliquoten und die Mixturen sind zu stark im Vergleich zu den dünn klingenden Grundregistern. Die Zungenregister sind klanglich unausgeglichen, die Posaune 16’ unkultiviert und grob.
Auch durch größere Investitionen werden keine grundlegenden Verbesserungen zu erwarten sein. Die Schwächen der Orgelanlage – Konstruktion, Windladensystem und Traktur – werden bleiben.
Die beste Lösung wäre zweifellos ein kompletter Neubau der Orgel. Denkbar wäre auch ein technischer Neubau…
Ja, liebe Orgel, so steht es im Gutachten und leider… der erzbischöfliche Orglinspektor hat – objektiv gesehen - ja nicht unrecht.
Aber mit diesem vernichtenden Urteil wollen wir dich nicht verabschieden.
55 Jahre bist du alt. Wir beide kennen uns seit 28 Jahren.
So sehr wir uns auf deine Nachfolgerin freuen, wir verabschieden dich heute trotzdem mit einem Gefühl, das uns auch die Kehle schnürt.
Und wir verabschieden dich mit einem Gefühl der Dankbarkeit, weil wir ahnen, dass du uns auch für unser menschliches Leben Vorbild warst und bist:
Da stehst du mit deinen vielen hundert Pfeifen. Aber nur ein paar Dutzend deiner Pfeifen sind sichtbar. Das, was dich ausmacht, deinen Klang, trägst du nicht protzend zur Schau, sondern behältst es in deinem Inneren. Wir würden sagen: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Eigentliche ist für die Augen unsichtbar. Was für ein Gleichnis für unser menschliches Leben.
Trotz deiner Schwächen warst du immer treu und zur Stelle, wenn wir dich brauchten. Ich sehe jetzt mal ab von jenem Sonntag vor etwa 20 Jahren als just der Kirchenchor meiner Heimatgemeinde zu Besuch war und sich kein einziger Ton dir entlocken ließ. Aber auch das kann uns ein menschliches Beispiel sein: treu und trotzdem unverfügbar. Oder auch manchmal einfach für Überraschungen gut.
Und jetzt machst du einfach Platz für deine Nachfolgerin. In dieser Nachfolgerin lebst du aber weiter. Du übergibst ihr einfach deine Pfeifen. Deine Pfeifen: das ist doch das, was dich ausmachte, deinen unverwechselbaren Klang, auch den Missklang (für den du allerdings nicht alleine zur Verantwortung gezogen werden kannst), deine Melodie, fast möchte ich sagen, die Melodie deines Lebens. Du gibst sie einfach ab. Wenn wir nur auch einmal so abtreten können.
So viel Menschliches teilst du mit uns. So viel Menschliches teilst du uns mit.
Ich will dich verabschieden mit einem kurzen Stück von Samuel Wesley. Einem englischen Komponisten des 18./19. Jahrhunderts. Aber das tut nichts zur Sache.
Wichtiger ist der Titel. Air – Luft.
Die regelmäßigen Gottesdienstbesucher werden sich sagen: Jetzt spielt der das im Verlauf der letzten 28 Jahre mindestens zum 500sten Mal. Warum?
Ist da vielleicht der Ehrgeiz, das Stück zum 500sten Mal das erste Mal endlich fehlerfrei zu spielen? Nun, dagegen spricht eine gewisse statistische Wahrscheinlichkeit. Wer es 499 Mal nicht geschafft hat, packt es auch beim 500sten Mal nicht.
Es ist der Titel des Stückes: AIR – LUFT.
Darin teilst du wieder ganz Menschliches mit uns. So wie wir die Luft zum Atmen brauchen, so brauchst du sie auch unabdingbar, um deiner Bestimmung gerecht zu werden.
Die Luft, das ist der Raum, in dem wir leben, in dem wir uns bewegen, der Raum, in dem wir manchmal das Wehen des Geistes Gottes spüren, aber immer in der Schwebe, manchmal auch in der Zerrissenheit zwischen Erde und Himmel.
Wie Frau Susanne Alberts sagte, hat es sie schon immer gereizt, ihren Lieblingskomponisten auf unserer Orgel zu spielen. Aber wann im Gottesdienst? Zwar ist Frau Alberts seit März 2007 bei uns und hat seit Jahresbeginn eine Stelle als Organistin in Umkirch, aber nirgendwo konnte sie das Präludium in g-Moll von Dietrich Buxtehude im Gottesdienst spielen. Nun wird sie es zu unserem Anlass spielen.
Begleiten soll sie dabei ein Gedicht von Hermann Klein:
Die Orgel tönt in feierlichen Klängen
Nur hohen Dingen ist ihr Schall geweiht.
Sie stimmt das Herz zu heilgen Lobgesängen
Sie fühlet mit den Menschen Freud und Leid.
Sie tönt der frohen Braut am Hochaltare
und klagt mit den Betrübten an der Bahre.
Sie klingt dem Kind auf seinem ersten Gange
Sie tönt zur weihevollen Feierstund,
wenn am Altar bei festlichem Gesange
Erneuert wird der Taufe heilger Bund –
und trägt die Seele in das Reich des Schönen
Wo im verklärten Ton die Weisen tönen.
O Orgelton, du herrlichster von allen,
Dein Klang ist uns ein Lied in höhrem Chor.
Wo du erklingst, da lauscht in Gottes Hallen
Der Zaubermacht der Töne unser Ohr.
Was süß und bang die tiefe Brust durchziehet
Beim Orgelton in heilger Flamme glühet.
Wer nur den lieben Gott lässt walten, - der kann bei uns sich auch entfalten möchte man weiterdichten, bevor Dr. Herbert Bolze uns beschenkt. Als angehender Gynäkologe hatte er schon 1959 unsere Orgel kennen gelernt und gespielt. Er hatte Gott walten lassen in seinem beruflichen Tun. Unsere Orgel hatte er darüber vergessen.
Auch als er vor 12 Jahren Patient der Klinik wurde, lies er Gott walten und besuchte zum Dank für die Hilfe unsere Sonntagsmesse. An dem Tag konnte keiner unserer Organisten Dienst tun. Zum Gloria saß Dr. Bolze im wehenden Bademantel an der Orgel und knüpfte an alte Zeiten an. Unter anderem am Heiligen Abend ist er uns ein lieber Begleiter.
So oft habe ich das Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Georg Neumark zitiert, dass allen klar ist: Wir werden es gleich hören, zusammen mit dem Choralvorspiel dazu von Johann Sebastian Bach.
Eine Musik von Johann Sebastian Bach muss heute kommen, denn er gilt mit 200 Kantaten, 52 Chorälen und vielen Oratorien sowie Solowerken für Orgel als der Vater der Kirchenmusik und als herausragendster Komponist für geistliche Werke.
Den Abschluss bildet der Canon in D von Johann Pachelbel. Neumark und Pachelbel sind Landsleute von Dr. Bolze.
Möge er der Aufforderung eines Anonymus folgen:
Orgle, lieber Organist,
mit Gefühl und als ein Christ.
Orgle, wie es dir gegeben,
Gottes Geist soll darin leben.
Professor Dr. Hermann Frommhold haben wir im Gottesdienst kaum gehört, dafür immer wieder in seinen freien Minuten als Leitender Ärztlicher Direktor der Klinik. Er entspannte und verarbeitete seine Tagesgeschäfte immer wieder an der Orgel.
Bei einem Konzert zu seinem 65. Geburtstag hat er selbst an der Orgel mitgewirkt und wird es gleich mit Auszügen aus Suite Nr 2 in F-Dur von Georg Friedrich Händel wieder tun.
Ob er damit einem Menschen die folgende Erfahrung von Hermann Hesse vermiteln kann?
Ich hatte zwei oder drei Male auf meinen Gängen durch die Stadt aus einer kleinen Vorstadtkirche Orgelspiel vernommen, ohne dabei zu verweilen. Als ich das nächste Mal vorüberkam, hörte ich es wieder, und erkannte, dass Bach gespielt wurde. Ich ging zum Tor, das ich geschlossen fand, und da die Gasse fast ohne Menschen war, setzte ich mich neben der Kirche auf einen Prellstein, schlug den Mantelkragen um mich und hörte zu. Es war keine große, doch eine gute Orgel, und es wurde wunderlich gespielt, mit einem eigentümlichen, höchst persönlichen Ausdruck von Willen und Beharrlichkeit, der wie ein Gebet klang. Ich hatte das Gefühl: der Mann, der da spielt, weiß in dieser Musik einen Schatz verschlossen, und er wirbt und pocht und müht sich um diesen Schatz wie um sein Leben. Ich verstehe, im Sinne der Technik, nicht sehr viel von Musik, aber ich habe gerade diesen Ausdruck der Seele von Kind auf instinktiv verstanden und das Musikalische als etwas Selbstverständliches in mir gefühlt.
(…)
Alles, was er spielte, war gläubig, war hingegeben und fromm, aber nicht fromm wie die Kirchgänger und Pastoren, sondern fromm wie die Pilger im Mittelalter, fromm mit rücksichtsloser Hingabe an ein Wertgefühl, das über allen Bekenntnissen stand.
Bevor wir mit dem Te Deum diese Feierstunde beschließen, möchte ich in abgewandelter Form aus dem Buch der Segnungen das Gebet sprechen, dass die Feier einer Orgelweihe beschließt:
Großer Gott, du willst, dass wir Menschen dir in der Freude des Herzens dienen. Deshalb lassen wir Musik und Instrumente zu deinem Lob erklingen. Du hast deinem Diener Mose den Auftrag gegeben, Posaunen anzufertigen, damit sie bei der Feier des Opfers erschallen. Mit Flöten- und Harfenklang hat das auserwählte Volk dir seine Loblieder gesungen. Dein Sohn ist Mensch geworden und jenen Lobgesang auf diese Erde gebracht, der in den himmlischen Wohnungen durch alle Ewigkeit erklingt. Der Apostel mahnt uns, dir aus vollem Herzen zu singen und zu jubeln.
In dieser Stunde des Abschieds bitten wir dich: Segne alle, die durch diese Orgel deine Nähe gespürt haben.
Wie die vielen Pfeifen sich in einem Klang vereinen, so lass uns als Glieder deiner Kirche in gegenseitiger Liebe und Geschwisterlichkeit verbunden sein, damit wir einst mit allen Engeln und Heiligen in den ewigen Lobgesang deiner Herrlichkeit einstimmen dürfen.
Das gewähre uns durch Christus, unseren Herrn.
Gemeindegesang: GL 257
Damit wir sehen, dass diese Orgel tatsächlich ab morgen abgebaut wird, um später in neuer Form wieder in unsere Kirche zu kommen, bitte ich Herrn Brommer von der Firma Waldkircher Orgelbau, gleich die erste Pfeife der Orgel zu entfernen.
Sie, die Sie unsere Verabschiedung besucht haben, lade ich ganz herzlich ein, mit Ihrer Spende in die Körbe unserer neuen Orgel die finanziellen Mittel zu geben. Wir danken Ihnen für diese Spende mit dieser Tasche, die unsere Stiftunsräte für Sie bereit halten.
Wenn Sie eine Spendenbescheinigung erhalten möchten, bitte ich Sie darum, Ihre Spende hier bei mir abzugeben, damit ich die Adresse und die Höhe der Spende notieren kann.
Herzlichen Dank und auf Wiedersehen – spätestens zur Orgelweihe im nächsten Jahr.
Herr Brommer, walten Sie Ihres Amtes!

